Die große Chapterreise 2012


Die Facts:
8 Personen (Anneliese, Erich und Marianne, July, Laudi, Schattenkaiser, Steve, Websi) – 8 Tage – 2.700 KM – 72.333 Höhenmeter, tiefster Punkt 0m (Tahiti Plage Saint-Trôpez), höchster Punkt 2.715m (Restefond/Col de la Bonette), unzählige Kurven und Kehren, gesperrte Pässe und dadurch erzwungene Umwege, Polizeikontrollen, Schneefall, Regen, Sonnenbrand – mit kurzen, einfachen Worten – LEIDER GEIL

Es gibt viel zu erzählen, also hier die Etappen im Detail:

Sonntag, 3. Juni – 10:00 ging es los zur großen Chapterreise an die Côte d’Azur. Nach kleineren Anlaufproblemen (vergessene Ausweisdokumente, vergessene Chapterweste, defektes Blinkerrelais), welche jedoch bald behoben waren, machten wir uns auf den Weg über Berchtesgaden, das Wachterl, Reit im Winkel zum Walchsee, wo wir auf der Seeterrasse die erste Rast einlegten.
Ab Kufstein wählten wir den Highway, um ein paar Kilometer zu machen. In Imst runter von der Bahn und erst mal volltanken und vor Ort erkundigen, ob eventuell das Hahntenjoch (1.894m) befahrbar wäre und wir hatten Glück – offen seit Freitag. Also mit den vorschriftsmäßigen 30 Km/h die Anfahrt raufgehetzt und ratz-fatz von der Polizei unter all den anderen Bikern und sonstigen Verkehrsteilnehmern rausgefischt (July, Schattenkaiser, Steve) zur Lärmmessung. Unfreiwillige Pause von 40 Minuten mit dem Ergebnis – Schattenkaiser gut in der Toleranz, July deutlich zu leise, Steve deutlich zu laut, da er die db-Killer in der Satteltasche und nicht im Auspuff mitführte. Trotz entspannt geführter Konversation mit den Uniformierten war es leider nicht möglich, July’s Lärm-Gutschrift an Steve zu übertragen – also Vorführtermin vereinbart.
Weiter gings dann nach dieser Zwangspause diese trotzdem schöne Bergstraße hinauf in Richtung Arlberg. In Warth war es dann soweit, dass der aufziehende Nebel so dicht wurde, dass man den darin versteckten (Schnee)Regen erst recht spät bemerkte. Furkajoch (1.759m) leider immer noch Wintersperre, also über Fontanella-Faschina (1.496m) ausgewichen. Am Abend die Bikes in der Garage unseres Hotels trocken eingestellt, unsere durchnässten Sachen so gut es ging geföhnt und aufgehängt und dann den Tag nochmals bei einem guten Abendessen (Stichwort: Löwenbändiger) Revue passieren lassen.

Am Montag, 4. Juni – 9:00 Start im Regen, also schnell noch rüber zu den Geisingers, einen kurzen Besuch machen und fehlende Regenbekleidung kaufen. Unmittelbar vor dem Geschäft ist beim Schattenkaiser die Feder des Seitenständers gebrochen und wurde vom Mechaniker Werner kurzfristig ersetzt. Weiter ging es über Vaduz, Chur, Flims in Richtung Oberalppass (2.046m), wo es bei der Auffahrt so richtig ordentlich zu regnen begann, was sich dann letztlich bis zum Scheitelpunkt in Schneefall verwandelte. Also kurzerhand eine ungeplante Mittagsrast zum Aufwärmen eingelegt und die Handschuhe unter dem heißen Tongeschirr, in welchem ein wunderbares Rösti serviert wurde, getrocknet.
Weiter ging es danach erstaunlicherweise im Trockenen in Richtung Furkapass (2.436m) der aber leider ebenfalls noch mit einer Wintersperre belegt war, also mussten wir mit der Furkabahn durch den Tunnel fahren. Nix wars also mit dem herrlichen Panoramablick über den Rhône Gletscher und wir waren gezwungen die Route für diesen Tag komplett umzustellen und fuhren über Ulrichen, Münster und Sion nach Martigny, unserem heutigen Etappenziel, welches uns mit angenehmen 26° Abendtemperatur empfing.

Der Dienstag, 5. Juni begann mit blauem Himmel und Sonnenschein und somit konnten wir den Tag mit den meisten Bergkilometern (nahezu) wie geplant befahren. Gleich hinter Martigny der Col de Champex (1.498m), danach ging es rauf auf den Großen St. Bernhard (2.469m) wo wir diesmal beim Hospiz leider noch keine jungen Bernhardiner Hunde zu sehen bekamen, da die Zuchtzwinger noch im zerlegten Zustand hinter dem Haus im tiefen Schnee lagen. Auch der See war noch zugefroren, aber je weiter wir wieder hinunter ins Aostatal mit seinen typischen mit Stein gedeckten Häusern kamen, umso angenehmer wurden die Temperaturen und bald eröffnete sich uns ein atemberaubender Blick auf den Mont Blanc (4.810m), der sich diesmal offen bei strahlendem Sonnenschein zeigte und nicht hinter der sonst oftmals üblichen Wolkendecke verbarg.
Die Auffahrt zum Kleinen St. Bernhard Pass (2.188m) ist schon aufgrund der wunderbaren Landschaft immer wieder eine atemberaubende Angelegenheit. Bei der anschließenden kurzen Mittagsrast in einem von stark duftenden Rosen begrenzten Gastgarten eines kleinen Logis legten wir widerwillig die neue Routenführung fest, da sozusagen die Königsetappe, der eigentlich geplante Col de l’Iseran (2.770m) leider ebenfalls noch mit Wintersperre belegt war.
Wir mussten also bis raus nach Albertville ausweichen und das Gebirgsmassiv sozusagen umrunden. Dann ging es über den malerischen Col du Clandon (1.924m), entlang dem Lac du Verney, bis wir kurz hinter der Abzweigung nach Alp d’Huez (wo es von Radfahrern nur so wimmelte) die optisch sehr ansprechende Passstraße entlang der Les deux Alpes über den Col du Lautaret (2.058m) nehmen konnten.
Weiter nach Briancon und Vars und zu guter Letzt noch über den Col de Vars (2.109m) nach Jausiers unserem heutigen Etappenziel, welches wir nach anstrengenden 472 KM und 15.500 Höhenmetern müde aber glücklich erreichten. Das feine Abendessen im kleinen Logis Bel Air und ein paar Gläser vom Guten brachten die Lebensgeister schnell wieder zurück, wenn auch alle von den vielen gefahrenen Kilometern schon etwas Müdigkeit in den Knochen bemerkten.

Gut ausgerastet nahmen wir am Mittwoch den 6. Juni unsere vorläufig letzte Anreiseetappe in Angriff. Gleich zu Beginn ging es rauf auf den Restefond/Col de la Bonette (2.802m) der uns leider die Zufahrt zur höchsten befahrbaren Stelle der Alpen mit Schnee verweigerte und wir uns daher mit den 2.715m auf dem Scheitel begnügen mussten, aber der Ausblick in alle Richtungen war einfach nur atemberaubend. Wir hatten unseren höchsten Punkt der Reise erreicht und ab jetzt ging es vorläufig nur mehr abwärts in Richtung Meereshöhe.
In Saint-Sauveur-sur-Tinée bogen wir nach Westen ab und durchfuhren ein Tal das aus violettem Gestein bestand – beeindruckend. Auch auf dieser Etappe jagte ein Highlight das andere und man kam aus dem Staunen kaum heraus und es war sehr schwierig, all diese Eindrücke auch aufzunehmen.
Besonders herausstreichen muss man dabei den Gorges de Daluis, der mit seiner geteilten Straße (N-S teilweise in kleinen Tunneln, S-N an der Schlucht entlang) und seiner tiefen Schlucht nur selten den Blick auf die tief unten dahinfließende Var freigab. Danach gings über Verdons entlang dem Lac du Castillion nach Castellane, wo wir wieder eine kurze Mittagsrast einlegten, bevor wir in den mehr als 20 KM langen Grand Canyon du Verdon weiterfuhren, der immer wieder die Möglichkeit für sensationelle Ausblicke in diese tiefe Schlucht bot.
Wir setzten die Fahrt über Aups, Vidauban und Grimaud bis nach Saint-Tropez fort, wo wir von unseren Gastgebern für die kommenden 2 Nächte bereits erwartet wurden. Der Empfang war freundlich und die kleine Villa Maya verfügt zwar nur über wenige Zimmer (wie fast alle unsere gewählten Unterkünfte auf dieser Tour), aber dafür auch über einen Pool, die Temperatur war passend, also schnell vorm Abendessen noch ein paar kühle Drinks am Pool genommen, bevor wir das vom Hausherrn frisch zubereitete und ausgezeichnete Abendessen genießen konnten. Der Weißwein schmeckte hervorragend, aber leider war die verfügbare Menge nicht an unsere ausgetrockneten Kehlen angepasst.

Donnerstag, 7. Juni – ein Tag am Meer. Relaxen war angesagt, die Motorräder wurden vom gröbsten Schmutz der letzten Tage befreit, Saint-Tropez musste besichtigt werden, ein wenig Shopping durfte nicht fehlen und natürlich an den Plage Tahiti zum Sonnen und Baden – einfach ausspannen eben.

Viel zu kurz war der Aufenthalt, da die schönste Zeit wie immer am schnellsten vergeht und so traten wir am Freitag, 8. Juni wieder die erste Etappe unserer Heimreise an. Wir fuhren die gesamte Côte d’Azur von Saint-Trôpez bis nach Monaco entlang, der Esterel verleitet mit seiner Schönheit und den roten Felsen dazu, hinter jeden 2. Kurve stehen zu bleiben um zu fotografieren, den Anblick zu genießen und den Abschied noch ein wenig raus zu zögern.
Cannes und Nizza zeigten sich von ihrer schönsten Seite (helle Strände, türkisblaues Wasser, Sonnenschein, Prunkbauten und alle namhaften Labels in einer Einkaufsstraße vereint) und in Monaco bzw. eigentlich Monte Carlo durfte eine Runde am Rennkurs, wo die alten Reifenspuren vom letzten Rennen noch sichtbar waren und gerade die Tribünen demontiert wurden, nicht fehlen.
Der Weg entlang der Küste und unser kurzer Abstecher nach Monaco hatten schon ganz ordentlich an unserem Zeitpolster geknabbert, daher schnell raus aus dem Fürstentum in Richtung Norden nach Sospel, Breil und den Col de Tende (1.871m), nach Cuneo und über Alba nach Asti, wo wir uns im einem wirklich idyllisch gelegenem kleinen Logis namens Bramaluna eingemietet hatten. Architektonisch ansprechend, 3 große Zimmer mit noch größeren Bädern und eine Dame des Hauses, die definitiv die gehobene Gourmetküche beherrschte. Dazu den besten Weißwein den wir während der gesamten Reise offeriert bekommen haben – da ließ sich der Abend auf der Terrasse gut ausklingen.

Die Strecke vom Piemont über die Lombardei in den Veneto, also von Asti über Alessandria, Soave, Verona, Vicenza nach Bassano del Grappa am Samstag, 9. Juni gibt für Biker zum überwiegenden Teil recht wenig her und ist in meinen Augen eher eine langweilige Pflichtübung. Entschädigt hat uns dafür am Abend eine herausragende Pizza im Restaurant Bella Capri und natürlich der obligatorische Mezzo-Mezzo von Nardini am Ponte Vecchio de Bassàn. In der Bar Leon haben wir dann noch one for the road genommen und uns mit Members des Bassano del Grappa Chapters getroffen, um die letzten Details für den Run de Bassàn zu besprechen.

Sonntag, 10. Juni der letzte Tag unserer großen Chapterreise war angebrochen und zeigte uns gleich zu Beginn eine recht dichte Wolkendecke. Um 8:30 war bereits Aufstellung mitten im Herzen von Bassano und kurz vor 10:00 wurde der Run de Bassàn gestartet. Unter Polizeibegleitung ging es für die rund 120 Bikes hinaus aus der Stadt in Richtung Monte Grappa, der von dichten Wolken verhangen war. Aus dem Tal der Brenta schob sich ebenfalls nichts Gutes heran und als wir die Auffahrt zum Monte Grappa erreichten, hielt unsere Gruppe an, um sich in die Regenklamotten zu schmeißen. Viele der anderen Teilnehmer machten es uns gleich und so kam irgendwie der gesamte Tross zum Stillstand. Praktisch unmittelbar nachdem wir mit dem Ankleiden fertig waren, ging ein derartiger Hagelsturm auf uns nieder, dass wir froh waren, einen Helm zu tragen. Binnen Minuten verwandelten sich die Straßen in reißende Bäche und es war nicht mehr daran zu denken, den Berg wie geplant hoch zu fahren. Also haben wir umgedreht und folgten dem Head Road Captain quasi im Schritttempo in flachere Gefilde, wo wir uns an einer Tankstelle und später dann, nachdem der Regen sich beruhigt hatte, an einem großen Platz sammelten.
Dort erreichte uns dann die traurige Nachricht, dass ein aus einer Seitenstraße einbiegendes Auto einem Member des Bassano del Grappa Chapters die Vorfahrt genommen und ihn direkt in den Gegenverkehr gedrängt hatte. Dort kam es dann in der Folge zu einer frontalen Kollision mit einem entgegenkommenden PKW, wodurch der Biker beim Aufprall unmittelbar getötet und seine mitfahrende Gattin, mit der er erst 2 Wochen zuvor die Hochzeit gefeiert hatte, schwerst verletzt wurde.
Ganz klar, dass darauf der Run sofort abgebrochen wurde und so machten wir uns deutlich betrübt auf den langen Weg nach Hause. Wir wählten die kürzeste bzw. vermeintlich schnellste Route über Trient, den Brenner, Kufstein und Rosenheim nach Salzburg aber durch den immensen Rückreiseverkehr vom langen Wochenende mussten wir ziemliche Zeitverzögerungen in Kauf nehmen, insbesondere deswegen, weil sich viele Autofahrer augenscheinlich immer direkt an der Mittellinie festhalten müssen, um nicht vom rechten Weg abzukommen. Letztlich ging die Reise somit nach einer schönen Woche mit einem unschönen Ende um ca. 20:00 zu Ende und ich glaube jeder von uns war zwar traurig, dass es vorbei ist, aber andererseits glücklich darüber, wieder gesund bei seinen Lieben zu Hause eingetroffen zu sein.

Resümee: Es war anstrengend, es war schön, wir haben viel gemeinsam erlebt und gesehen und jeder von uns hat dazu beigetragen, neue Erinnerungen und Stammtischgeschichten zu erzeugen – danke dass ich dabei sein durfte!
Wenn du die Tour auch virtuell nachfahren möchtest (in Google Earth) dann kannst du dir von hier die entsprechenden KML-Dateien laden.

Just ride, have fun and continue creating memories!